30.06.2008

Unser Review – Was erwartet uns wirklich in der neuen Acrobat Version 9

Adobe Acrobat Pro Extended

Ja, was bringt Sie uns denn nun tatsächlich die neue Version. Als erstes mal einen neuen Namen. Die alte Version Acrobat 3D heißt nun nämlich Acrobat Pro Extended. Das kommt daher, weil dieses Acrobat Familienmitglied nun nicht nur 3D kann, sondern auch noch einiges mehr. Aber dazu dann später mehr. Erst einmal wollen wir uns um die Veränderungen bzgl. 3D kümmern.
Die wohl größte Veränderung ist dabei gerade für Nutzer des Acrobat 3D V7/V8 relativ schnell erkennbar. Wer den Acrobat Pro Extended v9 installiert wird sich erst einmal wundern wo sein 3D Toolkit geblieben ist. Um Ihnen da gleich unnötiges suchen zu ersparen sei an dieser Stelle gleich mal angemerkt: Das Toolkit gibt es nicht mehr.
Bevor Sie nun allerdings in Panik ausbrechen und sich fragen – “Was nun?” möchte ich Sie auch gleich ein wenig beruhigen. Das Toolkit wurde nämlich ausgetauscht gegen den 3D Reviewer. Und was ist das nun wieder? Wer die Historie des Acrobat 3D bei Adobe ein wenig mitverfolgt hat, dem ist unter Umständen aufgefallen, dass Adobe 2006 den französischen CAD-Schnittstellen-Hersteller TTF aufgekauft hat. TTF hatte neben den Schnittstellen und dem sog. PRC-Format, das ja bereits zur Version 8 in den Acrobat Einzug gehalten hat auch den Project Reviewer (PRC-Format = Project Reviewer Compressed) als DMU Tool im Portfolio. Die Entscheidung dieses Tool in Zukunft im Acrobat Pro Extended für die Bearbeitung von 3D-CAD-Daten einzubinden ist daher ein durchaus logischer Schritt. Bedenkt man nämlich, dass Adobe das bisherige 3D Toolkit von der Firma Right Hemisphere (dort Deep Exploration genannt) in gewisser Weise lizensiert hat, kommt es natürlich bei weitem günstiger ein Tool einzusetzen, das man nun sowieso schon zu den eigenen Produkten zählen darf. Jetzt aber Schluss mit der betriebswirtschaftlichen Betrachtung hin zur Technik. Was bringt uns der neue Acrobat Pro Extended nun so alles an Veränderungen.

Die positiven Neuigkeiten für 3D im Acrobat Pro Extended

Direkt im Acrobat hat sich im Umgang mit 3D Daten einiges zum positiven gewendet. So ist es beispielsweise nun möglich wirkliche 3D-Kommentare ans Modell anzuhängen, die dann auch im Raum mit gedreht werden. Auch eingefügte Bemaßungen lassen sich nun mit abspeichern, was ebenfalls ein häufiger Kundenwunsch war auf den Adobe reagiert hat. Zu den Bemaßungen kann nun auch jeweils ein Kommentar generiert werden, der dann die Bemaßung ,gerade bei Reviewing Prozessen erst richtig nutzbar macht.
Was bereits zur V8 für manche Formate funktioniert hat, wurde zur V9 nochmals um einige Formate wie aber auch Funktionen erweitert. Hier ist die Sprache von den sog. PMIs (Product Manufacturing Informations), also den im CAD-System im 3D angebrachten Bemaßungen, Toleranzen, Oberflächengüten, Rauhigkeiten und Notizen. Auf die dadurch ebenfalls mit importierten sog. Model-Views (Kameraposition mit der selektiven Einblendung nur einiger PMIs) kann nun wesentlich besser strukturiert zugegriffen werden. Auch die Steuerung der Sichtbarkeiten und die Struktur der PMIs für einzelne Bauteile, wie aber auch für die gesamte Baugruppe, hat sich dadurch erheblich verbessert.
Auch der Import der nativen 3D-CAD-Daten in das PDF wurde nicht nur beschleunigt, sondern wirkt auch wesentlich aufgeräumter. Durch die Erfahrungen aus unseren Schulungen wissen wir, dass das vorhergehende Import-Menu häufig zu ein wenig Verwirrung geführt hat. “In welches Format soll ich nun importieren, und welches der vielen Knöpfchen zum Optimieren der Daten bringt mich wirklich zum Ziel?” Hier hilft das wesentlich aufgeräumtere UserInterface nun schon erheblich beim Verständnis.
Da wir gerade die Geschwindigkeit angesprochen haben, hierzu auch noch ein kleiner aber feiner Kommentar. Eine der größten Baugruppen, die wir zur V8 getestet hatten und dabei auch kläglich gescheitert waren (ca. 1,4 GB CATIA V5 mit über 6.000 durchaus komplexen Teilen) lies sich nach ca. 10 Minuten warten und bangen problemlos importieren. Dazu kommt noch, dass sich dann auch die Performance der 3D-Darstellung nach dem Importieren sehen lassen konnte. Hier an dieser Stelle dazu mal ein großes Lob an die Entwickler von Adobe:
Gut gemacht! Danke.

Was ist der 3D Reviewer nun?

Ja, wie gesagt, der 3D Reviewer (vormals Project Reviewer) ist ein Tool, das eigentlich aus dem DMU Umfeld kommt. Daher bietet er auch einige Funktionen, deren Fehlen im vorherigen 3D Toolkit gerade bei Ingenieuren häufig zu ein wenig Stirnrunzeln geführt hat. Als erstes ist hier sicherlich die Zusammenbaufunktionalität zu bemerken. Es gibt nun die Möglichkeit Bauteile nicht nur zu einem bestehende Modell zu importieren, sondern diese auch punktgenau zu verbauen. Das heißt entweder Punkt auf Punkt, oder Achse auf Achse. Auch das Spiegeln von Bauteilen, sowie eine einfache Analysefunktion (Veränderung altes Bauteil zu neuem Bauteil) ist vorhanden.
Es können Schnitte definiert werden, die dann auch als DXF oder Pixelbild ausgegeben werden. Schnitte wie auch Bemaßungen oder auch Analysen greifen hier nicht nur auf die grafische Repräsentanz zurück, sondern bei entsprechendem Import auch auf die zugrundeliegenden exakten Daten. Somit haben Sie die Möglichkeit mit dem 3D Reviewer nicht nur Näherungswerte, sondern auch tatsächlich exakte Ergebnisse zu erhalten.
Natürlich können auch Animationen erstellt werden. Diese sind nicht wie im 3D Toolkit vorher Keyframe-basiert, sondern werden als schrittweise Sequenzen definiert. Der Nachteil dieser Vorgehensweise ist, dass sie nicht mehr so viel Flexibilität bei der Erstellung von Animationen bietet. Der große Vorteil dabei jedoch ist, dass die Arbeitsweise wesentlich mehr derjenigen in einem CAD-System entspricht und weniger der eines Animationstools. Das heißt das Erlernen der Funktionen ist somit für die meisten Nutzer sicherlich ein erhebliches Stück einfacher geworden. Auch ist es möglich die erstellten Animationsschritte dann ganz einfach in der Hierarchie umzusortieren oder neue Schritte einzufügen, bzw. auszutauschen und zu jedem Schritt noch eine Kameraperspektive festzulegen.
Für die Schnitte, Ansichtsdefinitionen, Positionsnummern, Analysen und vieles mehr können dann Konfigurationen erstellt definiert werden, die Sichtbarkeiten und Lage von Elementen genau spezifizieren.
Wenn dann am Ende alles fertig ist, kann die komplette Szene mit allen Informationen in vordefinierte PDF Templates exportiert werden. Dort kann dann auf die jeweils festgelegten Konfigurationen zugegriffen oder auch die Animation schrittweise abgespielt werden, ohne überhaupt noch an Javascript denken zu müssen. Derartige Steuerungen (gerade auch bei schrittweiser Ansteuerung von Animationen) konnten in der V8 nur durch Spezialisten über entsprechende Programmierung überhaupt realisiert werden. Alleine das ist schon ein großer Schritt in Richtung effizienter Nutzbarkeit des 3D-PDF-Formats.

Der Acrobat Pro Extended als Datenkonvertierungstool

Eine Sache gibt es aber zum Schluss noch zu bemerken. Die meisten Nutzer mit denen wir bis heute gesprochen haben verstehen absolut nicht, warum Adobe die Konvertierungsfähigkeit des Acrobat Pro Extended (auch schon in der Acrobat 3D V8 enthalten) so überhaupt nicht bewirbt. Die Funktionalität, die diesbezüglich eingebaut ist, ermöglicht es die meisten der importierbaren CAD-Formate (die Schnittstellen für die Formate der ca. 40 wichtigsten Tools im Markt plus Standardformate sind bereits in der Standardinstallation dabei) konnten dabei schon in der Version 8 wieder nach STEP (AP203/AP214), IGES, Parasolid und VRML exportiert werden. Nun ist noch der Export nach STL hinzugekommen. Diese Konvertierungsfunktionalität ist dabei bei weitem kein Spielzeug, sondern wir auch bereits seit Jahren von einigen CAD-System und Viewer Herstellern in den eigenen Produkten verwendet. Sie liefert laut Aussagen von vielen Kunden mit denen wir gesprochen haben extrem gute Ergebnisse und ist dabei auch noch schneller als viele andere Konverter. Gerade im Fertigungsbereich sollte dies für Dienstleister die häufig Formate aus den unterschiedlichsten Systemen erhalten ein Grund sein den Acrobat zu nutzen. Ein günstigeres Konvertierungstool dürfte es am Markt derzeit wohl nicht geben.

Der Wehmutstropfen am Schluss

Wir sind zwar durchaus von den neuen Funktionalitäten begeistert, möchten Ihnen aber nicht verschweigen, dass es durch den Wegfall des 3D-Toolkits auch ein paar Negativpnkte zu bemerken gibt.

Es ist jetzt erst einmal nicht mehr möglich wirkliche Materialien im Acrobat – respektive Acrobat 3D Reviewer – zu erstellen. Mit wirklichen Materialien meinen wir an dieser Stelle, dass man natürlich Materialfarben, Glanzpunkte und Transparenz auch weiterhin definieren kann, nur leider ohne Texturen. Das Abbilden von Oberflächenstrukturen und ähnlichem ist durch die im Acrobat Pro Extended mitgelieferten Tools erst einmal nicht mehr möglich. Der im Acrobat/Reader eingebaute “3D-Viewer” könnte das zwar auch weiterhin abbilden, jedoch ist der 3D Reviewer von den Tools her wesentlich Ingenieur-lastiger wohingegen das ehem. 3D Toolkit eher in Richtung Animation und Visualisierung aufgebaut war.
So nun ist es raus.
Wir wollen Sie aber nun nicht einfach so im Regen stehen lassen und Ihnen gleich noch den einen oder anderen Lösungsweg aufzeigen. Da der Acrobat/Reader ja wie gesagt auch in Zukunft weiterhin texturierte Materialien darstellen kann, muss es ja wohl möglich sein dies auch irgendwie dort hinein zu bekommen. Die Herausforderung an der ganzen Sache ist, dass es für Texturierte Materialien immer ein sog. UV-Map auf der Geometrie geben muss, das definiert, in welcher Größe und Anordnung die eigentlichen Bilder auf das Objekt gemapt werden. Dieses UV Map kann in der V9 leider nicht erstellt werden. Wenn dieses aber vorhanden ist, können Materialien über JavaScript verändert und bearbeitet werden. Wie bekommen wir das also hin. Derzeit erst einmal nur indem man die Objekte bereits vorab entsprechend aufbereitet. Das funktioniert in Tools wie Maja, 3D-Studio Max oder auch Cinema 4D (dort allerdings mit Hilfe der 3DS-Schnittstelle). Wenn man in einem dieser Animationstools die Daten bereits mit Materialien vorbereitet, können diese im Nachhinein über Javascript im Acrobat oder auch im Photoshop CS3 Extended auch entsprechend verändert werden. Die Tatsache, dass Adobe bereits zur CS3 gewisse 3D Funktionalitäten auch in den Photoshop Extended eingebaut hat, lässt uns hoffen, dass diese Funktionalität in Zukunft auch weiter ausgebaut wird. Das wäre dann wieder eine schöne durchgängige Lösung.

Das Resümee

Wir können also sagen, dass die neue Version durchaus ein Release ist, das einen großen Sprung nach vorne darstellt. Dies wird auch durch die weiteren Funktionen unterstützt, die nicht rein 3D-CAD-Daten betreffen. Einige eingefleischte Nutzer des Acrobat 3D V7/V8 werden sich zwar in manchen Bereichen umstellen müssen (gerade die Sache mit den Materialien wird hier natürlich hart), aber vieles wird eben durch die neuen Fuktionen aufgewogen und funktioniert auch besser. Wir freuen uns auf jeden Fall wieder darauf damit umzugehen und hoffentlich viele von Ihnen mit unserer Begeisterung auch anstecken zu können.

Ihr Andreas Vogel (theorie3.De)

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